Backpacking bei den Kiwis

Posted in Neuseeland by Aila on Mai 8th, 2008

In Neuseeland kam das erste Mal ein richtiges Backpackerfeeling auf, zwar die ersten drei Tage ohne Rucksack, dafuer aber mit umso mehr Hostelbekanntschaften, die mir das Warten versuessten. Ich zog also die erste Zeit mit Mitreisenden um die meist haesslichen Betonbloecke Aucklands. Es wurde viel geredet, gekocht, Party gemacht.
Der Abschied nach drei Tagen fiel sogar etwas schwer, obwohl mich an der Stadt nichts reizte.
Per Bus gelangte ich nach Roturua, einer kleinen Stadt, ebenfalls auf der Nordinsel, deren Wahrzeichen heisse Quellen und Geysire sind. Das Zimmer im Hostel teilte ich mir mit zwei deutschen Maedels, die dort arbeiteten und umsonst wohnten. Noch am Tag meiner Anreise bekam ich eine Tour zu den Geysiren und das Erlebnis war das viele Geld wert, das fuer solche Touristenatraktionen verlangt wird. In allen erdenklichen Farben und ihren Abstufungen waren brodelnde Becken zu bestaunen. Faszinierend selbst Neon- oder Giftfarben in wilder Natur zu entdecken. Die Palette reichte von Tuerkis, ueber grelles Orange bis hin zu Grellgruen. Ein Geruch von Schwefel dominierte die gesamte Gegend. Schade war es allerdings, das unsere kleine Gruppe von zwei Australiern und einer Mexikanerin nur sehr wenig Zeit zum aufsaugen der Naturwunder hatte.
Am naechsten Morgen ging es fuer mich wieder in die Luefte in Richtung Suedinsel. Nach einmal umsteigen in Christchurch erreichte ich schliesslich Queenstown, wo ein Franzose und ich erstmal eine geschlagene Stunde herumliefen um das guenstigste Hostel zu finden. Letzten Endes entschlossen wir uns doch fuer das erste, das wir aufgesucht hatten.
Queenstown ist eine winzige Stadt, es scheint als ob sie nur fuer Touristen erbaut wurde, doch sie hat Charme, wozu ganz bestimmt der wunderschoene See und die sie umringenden Berge beitragen. Nach einem Bummel durch die, mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen entschied ich mich eine der nervenaufreibenden Aktivitaeten auszuprobieren. Ich hatte die Qual der Wahl zwischen Canyonswing, wo man nur um Haaresbreite an Felsen vorbeischaukelt und unter sich die Tiefen einer Schlucht ertragen muss, zwischen Skydiving, wobei einem die Landschaft zu Fuessen liegt und man freien Fall geniesst oder Bungyjumping, wovon ich schon lange getrauemt hatte. Ein Brasilianer erleichterte mir die Entscheidung, da er mir seinen freien Bungysprung guenstig anbot und ich das Angebot gerne annahm, da die Spaesse den Geldbeute schwer beanspruchen.
Mit einer Gruppe und gemischten Gefuehlen, aber doch ueberwiegender Vorfreude fuhr ich also zur 37 Meter hohen Bruecke, wo Bungy erfunden wurde. Nachdem ich andere Leute springen gesehen hatte, wollte ich nur noch selber dort oben stehen und mich dem freien Fall hingeben.
Mit festgeschnuerten Fuessen wackelte ich also zur Kante des Sprungbrettes und lauschte dem Zaehlen des Betreuers. 1, 2, 3…..und ich sprang. Es fuehlte sich an, als ob alles aus dem Koerper entweicht, kein Laut nichts kam mehr aus meinem Mund, ich fiel und fiel und dann kam das kalte Wasser, in das ich eintauchte. Noch ein, zwei Mal ging es hoch und runter und schon war es vorbei. Am liebsten waer ich gleich nochmal gesprungen und zwar von weiter oben.

In den fruehen Morgenstunden des naechsten Tages wurde ich von einer weiteren Tour abgeholt, die uns nach Milford Sound brachte, wo auch Teile des Films „Herr der Ringe“ gedreht wurden.
Die Tour beinhaltete ausserdem den Besuch in einem Vogelpark und einige Stopps auf dem Weg zu dem vier Stunden entlegenen Ziel. Die Schiffstour durch den Fjord hinaus ins Meer war unbeschreiblich imposant. Wiederum waren es nur die vielen Touristen, die dem Erlebnis etwas seiner Mystik raubten. Steil ragten die begruenten Berge aus dem dunkelblauen, kaltem Wasser. Die Sonne sorgte fuer das faszinierende Licht- und Schattenspiel, die verschiedenen Farbabstufungen und die Stimmung.
Erst spaet am Abend waren wir zurueck in Queenstown, doch trotzdem sollte es fuer mich am naechsten Tag frueh morgens weiter gehen, denn vor mir lag eine ganze Strecke die Westkueste hinauf. Ich hatte mich entschieden zu trampen, da ich mich nach Abwechslung und Abenteuer sehnte, andererseits aber auch mein Budget nicht ueberstrapazieren wollte.
Ich wurde bald von einem netten Mann aufgesammelt, an einem Kreisverkehr abgesetzt und nach fuenf Minuten des Wartens von einem Ehepaar mitgenommen, die das gleiche Tagesziel wie ich hatten. Demnach verbrachte ich den Tag mit den Beiden, die dem Alter meiner Eltern entsprachen. Ein bisschen war es wie Familienausflug, nur ohne Familie. Wir passierten Landschaften, die unbeschreiblich sind. Hochebenen, wie Faecher gefaltete Berge, mal gruen, mal in Herbsfarben von Rot bis Gold getaucht. Seen, die wie unberuehrt zwischen Huegeln oder Schneegipfeln liegen. Alles wirk so rein und unverdorben, geheimnisvoll und inspirierend.
Noch vor Sonnenuntergang erreichten wir Franz Joseph, dem Oertchen dem einer der Gletscher nahegelegen ist. Mit den Jungs, mit denen ich mir ein Zimmer teilte wurde am abend ein Film geschaut und dann in die einzige Bar im dorf gegangen, wo erstaunlich viele junge Reisende gestrandet waren. Kein Wunder, denn man kam alkoholische Getraenke fuer Spottpreise oder umsonst, wenn man um den Pooltisch rannte.
Morgens, etwas muede und verkatert noch wanderte ich zum Gletscher und bestaunte die ewigen Eismassen. Als ich die Sicherheitsabsperrung hinter mir gelassen hatte, verstand ich doch wozu diese gedacht war, als ploetzlich ein Eisblock neben mir nieder ging. Schnell machte ich mich auf den Rueckweg und setzte meine Tramproute fort.
Am naechsten Tag, meinem letzten auf der Suedinsel, gestaltete es sich etwas schwieriger und ich musste mich gedulden, bis mich zwei Maedels von der verlassenen Landstrasse aufsammelten. Es waren eine Schweizerin und eine Holllaenderin, die sich auch nur vom Reisen kannten. Wir verstanden uns blendend und nach einer Weile stellte sich heraus, dass alle von uns ehemalige Waldorfschueler waren.
An den Pancakerocks, wie Pfannkuchen aufgestapelte Steine, direkt an der Kueste trafen wir zwei Israelis und sassen Stunden lang zusammen auf der Wiese, picnicten, spielten Gitarre, sangen. Es war einer der schoensten Tage, da wir einfach genossen und Zeit so unbedeutend war. Die beiden Israelis nahmen mich dann auch weiter mit bis Westport, wo am naechsten Tag mein Flug zurueck nach Auckland gehen sollte. Abends kochten wir zusammen mit Gaskocher im Park, diskutierten, was wir in meinem Hostel bei Pfannkuchen und Timtams noch weiter fuehrten, bis es zwei Uhr morgens war. Sie begleiteten mich zum Flughafen, warteten dort mit mir, gaben mir noch Proviant mit. Die Tage, die ich die Westkueste hochreiste, erfuellte mich so eine Gefuehl des Gluecklichseins, das nicht auszudruecken ist aber, mit dem ich jeden gerne angesteckt haette.
Ausserdem freute ich mich wie ein Schneekoenig auf Australien, meine Gastfamilie und Marie.
Nach zwei Tagen in Auckland war es endlich so weit und ich stieg ein weiteres Mal ins Flugzeug und liess zwei Wochen wunderschoener Erfahrungen und Erlebnisse hinter mir.

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