Die letzte Etappe

Posted in Malaysia und Singapur by Aila on August 25th, 2008

Bei grauem, bedrohlichem Himmel verabschiedete ich mich von Koh Phi Phi, das für fast eine Woche mein Zuhause geworden war, von meinen roommates, die alle noch seelig schlummerten und von Lotta, die einzig Wache, die in den letzten Tagen oft meine Wegbegleiterin gewesen war. Stürmisch ging es auf See zu. Ich schreckte alle paar Minuten aus meinem Schlaf hoch, den ich nicht verdrängen konnte, da die letzte Nacht lang geworden war und die Fähre nach Krabi früh ablegte.

Von Krabi ging es per Bus weiter. Nach drei Mal umsteigen, zehn Stunden Fahrt und der Bekanntschaft mit zwei Kanadierinnen, kamen wir nachts um zwei in Kuala Lumpur, Malaysia an. Wir entschieden uns für das nächst beste Hostel, das sich als Geheimtipp einer meiner früheren Reisebekanntschaften herausstellte und eine sehr familiäre Atmosphäre bot.

 

Dort lernte ich Lena kennen, eine deutsche Studentin, mit der ich die nächsten zwei Tage KL durchforstete, auf der Suche nach irgendeiner charakteristischen Besonderheit, einem Flecken Schönheit und Idylle in der Großstadt. Unser Versuch die höchsten Zwillingstürme der Welt zu besteigen scheiterte an der Menschenmasse, dem riesigen Andrang. Wir wichen auf die, zu Haufe existierenden Shoppingcenter aus, besuchten die Höhlen, die jedoch nicht mehr als aggressive Affen zu bieten hatten, die vor allem asiatische Touristen attakierten.

Leider musste ich mich dann auch schon wieder verabschieden. Naja, in Kuala Lumpur hielt mich auch nichts, außer meine nette Bekanntschaft mit Lena. Meine Route führte mich nach Melakka, einer kleinen historischen Stadt, an der malaysischen Westküste. Dort waren die Portugiesen, die Holländer und letzten Endes auch die Briten mit ihren Schiffen gelandet um das Volk zu kolonialisieren.

 

Zwei Tage verbrachte ich in der Kleinstadt, die etwas westlich angehaucht ist und eher eine Seltenheit in dem muslimischen Land. Gesellschaft leistete mir dort beim abendlichen Tee, Bier, Essen Jörn, der seine Weltreise gerade erst begonnen und ca. die gleiche Route in die entgegengesetzte Richtung geplant hatte. Viele Reisetipps, Erlebnisse und Erfahrungen wurden ausgetauscht, doch am nächsten Tag trennten sich unsere Wege schon wieder.

Meiner führte mich gen Süden zu meiner letzten Station: Singapur.

Die Fahrt war nicht sehr lang, aber aufregend. Mit etwas Lampenfieber passierte ich die überdimensionale Abfertigungshalle, in der Tausende darauf warteten einen Stempel in ihren Pass zu bekommen. Unter den Wartenden auch ich, etwas eingeschüchtert durch die Vielzahl an Warnungen, die ich von den Daheimgebliebenen und den Medien gehört hatte. Die Einreise war jedoch ein Kinderspiel. Das Gepäck wurde weder gescannt, noch wurde man in irgendeiner Form beäugt oder befragt.

Nachdem ich jedoch Ewigkeiten angestanden war, konnte ich meinen Bus nicht mehr finden. Er war ohne mich abgefahren. Für ein paar Euro brachte mich aber der Lokalbus in die Innenstadt, wo ich das Hostel schon vorgebucht hatte. Singapur, eine Großstadt, die niemals schläft. Mein Hostel fand ich nicht sofort auf Anhieb, da es nur ein Schuhkarton inmitten eines riesigen Gebäudekomplexes und die Nummerierung teils versteckt, teils unlogisch war. Das Zimmer teilte ich mir ausschließlich mit Jungs, zwei Drittel von ihnen waren Deutsche.

Nur noch zwei Tage bis zu meiner Heimreise. Ich besuchte Ausstellungen, schlenderte am Flussufer, neben dem Park, dem einzigen etwas idyllischem Plätzchen entlang, erkundete diverse Viertel, Chinatown, Little India usw. Viele Touristen waren in Singapur unterwegs. Das Finanzviertel war von hektisch herum hetzenden Personen in Anzug oder Kostüm dominiert und natürlich gab es wieder einige Shopping Center zu durchwühlen.

Ein wunderschönes Gefühl war es nicht zu der unter Zeitdruck stehenden Masse zu gehören, sondern außenstehend und beobachtend zu sein.

Einerseits die Heimkehr herbeisehnend, andererseits nicht wieder dem Alltag unterworfen sein zu wollen, verbrachte ich die letzten zwei Tage meiner Reise.

Am Abflugtag plante ich viel Zeit ein, um zum Flughafen zu kommen. Gerade den letzten Flug wollte ich nicht verpassen und die Vorfreude auf Freunde und Familie trieb mich zum Terminal. Dort erfuhr ich, dass der Flug über eine Stunde zu spät starten würde und zusätzlich keine Mahlzeiten an Bord zur Verfügung gestellt werden könnten. Demnach bekam jeder Passagier Essensmarken und konnte sich den Magen noch einmal beim China-Imbiss vollhauen.

Das Flugzeug war voll von jungen Gläubigen, die den Weltjugendtag in Sydney besucht hatten. Um mich herum sprach also alles Deutsch und ich wurde auf die heimatliche Mentalität vorbereitet. Den Flug über schlief ich wenig und schlecht. Deshalb verwarf ich den Plan von Frankfurt aus nach Stuttgart zu trampen und gönnte mir für 40 Euro (eine Woche Kosten für Unterkunft in Thailand) das günstigste Zugticket.

Die Fahrt nach Hause war überwältigend. Ich war begeistert von Weinbergen, grünen Wiesen und Wäldern, dem wunderbaren Sonnenschein und dem Gefühl nach Hause zu kommen. Und zwar gerne wieder nach Hause zu kommen, nach einer genialen, erfüllten Reise. Ich genoss die Minuten im Bummelzug, konnte die Überraschung für meine Eltern, die nichts von meiner Ankunft wussten kaum erwarten. Schließlich war es soweit und wir fuhren in den stuttgarter Bahnhof ein. Ich begann die Häuser zu suchen, die sich hinter und unter den Bäumen versteckten. Mir kam Stuttgart wie ein Dörfchen vor. Als ich aus dem Zug ausgestiegen war nur die winzige Königstraße als größte Einkaufsmeile vor mir. Um mich herum alles so ruhig, Menschen so gelassen.

Willkommen zu Hause.

 

 

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