Duftender Hafen
Gluecklicherweise hatte ich mein Hostel in Hong Kong schon von Sydney aus gebucht, denn es stellte sich heraus, dass die Suche nach einem Zimmer in dieser pulsierenden Metropole eine Herausforderung war. Ich musste trotz praeziser Adressangabe einige Zeit suchen, um das Hostel zu finden, das mehr nur ein Flur im 13. Stock einer grossen Mansion war. Die Zimmer waren winzig, die Betten kurz und die Dusche direkt in der Klokabine, die die Groesse eines Kleiderschrankes hatte.Das Gebauede war marode und man sah, wie der Zahn der Zeit daran genagt, wie die Witterung ihre Spuren hinterlassen hatte. Der Blick in den Innenhof hinunter eroeffnete einem die Geheimnisse der Waescheleinen. Trat man ins “Freie”, wurde man von stark befahrenen Strassen, verpesteter Luft und hohen Betonkloetzen mit blinkender Leuchtreklame empfangen. Meine Beschreibungen moegen sehr negativ klingen, doch es ist eine einzigartige und ueberwaeltigende Erfahrung sich durch diesen Grossstadtjungle zu schlagen.
Waehrend meines Aufenthaltes in Hong Kong bekam ich den Monsun oefters zu spueren. Ploetzliche Platzregen ueberraschen einen in jeder Situation und Massen an Menschen fangen an zu rennen, auf der Suche nach Schutz. Dazu bietet sich die massige Vielzahl an Shoppingmalls an, aus denen Hong Kong fast ausschliesslich besteht.
Die riesigen Gebaeude mit Laeden jeglicher Art sind durch ueberdachte Bruecken verbunden. Man kann sich also von einem Haus ins andere bewegen, dabei von oben den Verkehr beobachten ohne auch nur einen Tropfen Schweiss zu velieren, denn ueberall sind Klimaanlagen installiert, die einem Gaensehaut verleihen.
Ein eigenartiger Anblick war die Rolltreppe unter freiem Himmel, die der shoppenden Bevoelkerung das Erklimmen des Huegels ersparen und Touristen anlocken. Viele Restaurants haben sich an diesem Berg angesiedelt, von seiner Spitze kann man einen Blick auf ganz Hong Kong erhaschen und dann gemuetlich neben den Rolltreppen wieder herunterschlendern, Staende mit Fruechten bestaunen, am buddhistischen Tempel halt machen und sich Kulinarisches auf der Zunge zergehen lassen.
An einem Regentag beschloss ich mir etwas Kultur zu Gemuete zu fuehren und besuchte die National Art Gallery. Die Austellung zeigte chinesische Malerei, Keramik und verfolgte, zu Ehren der, in Hong Kong stattfindenden, olympischen Reitdisziplinen, die Bedeutung des Pferdes ueber die Jahrhunderte hinweg.
Abends goennte ich mir Karten fuer die Premiere einer rumaenischen Gymnastengruppe, die ein atemberaubendes Programm zusammengestellt hatten. Ich war fasziniert und so gluecklich in diese Vorstellung gegangen zu sein. Am spaeten Abend schlenderte ich ueber den Markt, wo ich eine Suppe ass, die zu meiner Verwunderung suess war. Auch die Suppe, die ich am naechsten Tag probierte war suess, bis ich herausfand, dass sie als Nachtisch gedacht waren.
Die vier Tage in Hong Kong vergingen wie im Flug. Nicht nur weil die Stadt einige Ecken zum Erkunden bietet, sondern auch, weil ich mich gut mit meinen Zimmerbewohnern verstanden habe und wir bevor zwei von uns sich wieder verabschieden mussten, zusammen essen gingen, in einer Bar ein paar Coctails schluerften, zusammen fruehstueckten. Am letzten Abend habe ich Summer kennen gelernt, die auch in unserem Hostel wohnte und aus China kam. Wir stellten fest, dass wir am gleichen Tag nach Bangkok fliegen wuerden, zwar nicht im gleichen Flieger, dafuer aber nur mit einer Stunde Unterschied.
Wir machten aus ueber Email in Kontakt zu bleiben und uns in Bangkok eventuell wieder zu treffen.