Sydney, Goon und Partyleben
Sydneys Peakhour hiess uns willkommen. Das heisst, wir schafften es gerade rechtzeitig zum Rushhourverkehr nach Syndey herein zu fahren. Wir brauchten alleine eine Stunde um in die Innenstadt zu kommen, dann mussten wir uns zusaetzlich noch in den Einbahnstrassen zurechtfinden und unseren Weg nach Newtown machen, wo unsere WG sein sollte.
Dort angekommen parkten wir in einer kleinen Seitenstrasse, in der Hoffnung dort im Halteverbot keinen Strafzettel zu bekommen, denn die kosten gleich 70 Dollar. Schwer beladen marschierten wir zu unserer WG, die, wie sich herausstellte, keine WG, sondern ein ueberteuertes Hostel war, das groesstenteils, dem Anblick nach zu urteilen, Junkies beherbergte.
Etwas frustriert riefen wir Josyph an und fragten, ob wir doch bei ihm unterkommen koennten.
Er freute sich sogar ueber die unerwarteten Umstaende und wir goennten uns gemeinsam ein Essen beim Italiener.
Innerhalb der naechsten zwei Tage suchten Marie und ich andere Moeglichkeiten irgendwo unterzukommen. Am Wochenende, an dem Josyph Cedar in Canberra besuchen ging, besichtigten wir einige Wohnungen und WGs, von Besichtigung zu Besichtigung schienen diese besser zu werden und froehlich traten wir den Heimweg an. Dummerweise hatten wir kein Schluessel, waren also auf Josyphs Mitbewohnerin angewiesen und darauf, dass sie uns die Tuer oeffnete. Wir hatten versucht, mit ihr per SMS zu kommunizieren, doch sie reagierte nicht.
Vorsichtig klingelten wir, denn es war schon fast 10 Uhr abends und schwungvoll oeffnete sie uns die Tuer, stand bebend vor uns und wies uns an, uns am naechsten Tag eine andere Bleibe zu suchen. Voller Schuldgefuehl und entschuldigend zogen wir uns zurueck, packten unser Zeug und zogen zu Oscar und Camilo, den ehemaligen Mitbewohnern Josyphs.
Am naechsten Tag stand ein weiterer Besichtigungsbesuch an und das war es. Das gelbe vom Ei. Eine Stunde spaeter waren wir eingezogen, hatten fuer die folgenden drei Wochen unser eigenes Zimmer, nette Mitbewohner in einem multikulturellen Haus, sehr zentral gelegen und direkt an der Partymeile Oxfordstreet.
Wir teilten uns das Haus mit einer Japanerin, drei Australierinnen, einem franzoesischen Paerchen, einem Australier und zwei Deutschen, Henning und Thorsten, mit denen wir uns in den naechsten drei Wochen anfreundeten. Auch die Nachbarn waren Zucker. Wir hatten eine Menge Spass, eine Menge Goon und fast allabendlich Party.
Tagsueber trennten sich unsere Wege, also Marie und meine, jeder erkundete Sydney auf seine Weise, abends fuehrten sie uns im Gloria Jeans Cafe wieder zusammen. Manchmal machten wir gemeinsam Ausfluege, gingen shoppen etc.
Marie fand einen Praktikumsplatz beim Physiotherapeuten und ich arbeitete einige Male in einem Community Center einer Kirche in Kings Cross, wo sich Obdachlose, Drogenabhaengige, Menschen mit Problemen Rat, oder einfach nur einen Kaffee holen konnten.
Um eine Aufgabe und Spass zu haben kaufte ich mir ein Zehn-Mal-Ticket einer Tanzschule und probierte alle Tanzarten mal aus. Von HipHop ueber Jazz und Funk bis hin zu Latin und Ballet. Es machte riesigen Spass, obwohl der Anfang schwer war und ich mit Koordinationsproblemen und mangelder Auffassungsgabe zu kaempfen hatte. Ich merkte, dass ich lange nichts mehr fuer meine Konzentration und motorische Umsetzung getan hatte, doch das kam schnell wieder, mit ein bisschen Uebung.
Sydney war eine schoene Zeit, einfach leben und feiern. Aber nach vier Wochen hatte ich genug vom feiern. Marie verliess mich die letzte Woche und kehrte nach Deutschland zurueck, ich zog mit Trevor einem irischen Freund zusammen, dessen Mitbewohner und gemeinsamer Freund, illegaler Inder, momentan in Haft sass, da er ohne gueltiges Visum aufgegabelt wurde. Wir besuchten ihn sogar einmal im Gefaengnis.
Eine Woche bevor mein Flug nach Hong Kong gehen sollte, kehrte ich noch einmal nach Canberra zurueck um etwas mehr Zeit mit meiner ehemaligen Gastfamilie und Cedar zu verbringen. Es war eine ruhige, schoene Woche mit Entspannung und familiaerem Gefuehl. Wir machten ein paar Ausfluege, Radtouren, kochten gemeinsam etc.
Ein schoener Abschluss fuer Australien.
Ich komme bald wieder!
Matze says:
OK, nachdem ich Goon gegoogelt hatte war mir die Ursache deiner mangelnden Konzentration und Motorik klar.
Immer wieder aufheiternd und echt genial, diese Berichte, mach weiter so…
Gruesse aus SF, Matti
Juli 14th, 2008 at 08:38