Canberra, Melbourne und die Kueste aufwaerts
Auf dem Weg zum Flughafen bemerkte ich, dass ich zwei meiner Bankkarten irgendwo auf der Strecke gelassen hatte, goennte meinen Eltern also einen naechtlichen Anruf und bat sie, meine Karten sperren zu lassen.
Wieder sass ich im Flugzeug und die paar Stunden in der Luft kamen mir wie eine Ewigkeit vor.
In Sydney entschied ich mich fuer die billigere, dafuer aber kompliziertere Variante zu meinem, schon zuvor gebuchten Greyhound nach Canberra zu kommen: Der oeffentliche Nahverkehr. Die Zeit zu Umsteigen war grosszuegig bemessen, dachte ich, was sich als zu gutglaeubig erwies, denn schon im ersten Bus stand ich im Stau und das war erst der Anfang.
Rennend erreichte ich schliesslich den Busbahnhof. Gluecklicherweise rechtzeitig, denn im Gegensatz zu allem Anderen, sind die Ueberlandbusse in Australien puenktlich.
Nach wiederum einer Ewigkeit im Bus wurde ich in Canberra schon von Petra, meiner ehemaligen Gastmutter und Marie erwartet. Es fuehlte sich wie Heimkehr ins zweite Zuhause an. Alles so normal, als sei ich erst gestern abgereist. Das Wiedersehen war gross.
Leider war die folgende Woche eine einzige Planerei unserer Weiterreise. Jeden Tag aenderten wir unsere Route, hatten neue Ideen und rechneten alles x-mal durch. Es blieb also wenig Zeit fuer Gemeinsamkeit mit Cedar und Familie. Letztenldich hatten Marie und ich uns fuer eine Route ueber Melbourne die Ostkueste hinauf nach Sydney entschieden, wollten uns das erste Mal hinter das Steuer auf der Beifahrerseite trauen und einen Van mieten.
Nach einer Woche Canberra brachen wir also, wieder per Bus, in suedliche Richtung auf. Eine schlaflose Nacht im Bus und wir fanden uns morgens um 6 in Melbourne wieder. Erstaunlicher Weise war die Stadt schon wach, die Cafes aber noch geschlossen und wir mussten irgendwie die Zeit bis neun Uhr ueberbruecken, bis wir uns mit einer Christengemeinschaftspriesterin treffen sollten, die uns die Kirche als Unterkuft angeboten hatte.
Onkel McDonalds, den ich bis Neuseeland stolz zu verschmaehen vermochte, bot uns die naechsten Stunden Zuflucht.
Was eigentlich als Notloesung gedacht war, stellte sich als die komfortabelste Unterkunft heraus, die wir die naechsten zwei Monate zu Gesicht bekommen sollten. Wir hatten Betten, zwei Baeder, durften die Gemeinschaftskueche nutzen, kurz, das Beste, was uns passieren konnte.
Die Priesterin Veronika, jung, dynamisch und gar nicht dem Prototyp eines Predigers entsprechend, bot uns sogar an, ihre Internetverbindung in ihrem in Renovierung stehendem Haus zu benutzen. Unser Plan einen Van zu mieten war schon nach dem ersten Anruf bei der Vermietung ins Wasser gefallen, da nur noch teure Modelle zu Verfuegung standen, Maries und mein Budget aber knapp bemessen war.
Kurz darauf lernten wir Vera, Oesterreicherin 19, Soeren 30 und Anne 26, ein deutsches Paar kennen, die im Internet nach Mitreisenden und Benzinteilern gesucht hatten. Wir verstanden uns auf Anhieb und schon nach 3 Tagen Melbourne ging die Reise weiter.
Vor der Abfahrt pluenderten wir den Gemuesemarkt und Aldi, verstauten alles in Cid, dem weissen, suess ausgebauten Kleinbus von Anne und Soeren und quentschten uns hinein.
Gestapelt gings los. Doch noch im Innenstadtverkehr passierte es. Ein, schon verdellter, Mercedes fuhr uns ins Hinterteil. Nach kurzen Verhandlungen und Adressentausch fuhren wir aber weiter. Wir hatten ein Ziel: Sydney. Nein, der Weg war das Ziel, also die Kueste…, die sich nach einigen Tagen als kalte Angelegenheit herausstellte. Vera begann im Zelt zum Eisklotz zu mutieren und fuer die naechsten Tage war Regen angesagt. Wir entschieden uns also spontan gen Norden zu fahren, der Sonne entgegen. Gluecklicherweise hatten wir einige schoene Tage hinter uns, in denen wir Ausfluege in die Natur und Bekanntschaft mit unseren Campingnachbarn beim abendlichen Bier am Lagerfeuer gemacht hatten.
In Windeseile passierten wir kleine, hochgezogene und oberflaechlich wirkende Kuestenorte, vorbei an Sydney, mit einigen weiteren Uebernachtungen in Nationalparks. Innerhalb nur eines Tages legten wir die Strecke Sydney nach Byron Bay zurueck. Mit extrem hohen Koffeingehalt erreichten wir das Surf Paradies, bekannt fuer Backpacker und Parties um 3 Uhr morgens, auf der Suche nach einem Club zum Uebernaechtigen. Doch Byron Bay war tot, ausgestorben, Nichts. Nicht einmal McDonals, denn die Bewohner Byron Bays sind umweltbewusst und gegen Globalisierung und Ausbeutung. In Byron Bay isst man local food und home made.
Die Alternative fuer uns war der Strand und doch ein Nickerchen machen. Die Schlafsaecke rausgeholt, funkelten ueber uns die Sterne, das Rauschen des Meeres am Ohr.
Von einem wunderschoenen Sonnenaufgang geweckt, nahmen wir einen morgendlichen Kaffee zu uns, statteten dem Internetcafe einen Besuch ab und setzten unsere Fahrt zum eigentlichen Ziel, Nimbin, fort.
Nimbin, ein friedseeliges Doerfchen zwischen Kuehen und Huegeln, das einmal jaehrlich aus seinem hundertjaehrigen Schlaf erwacht, naemlich zur Zeit des MardiGrass Festivals. Tausende Touristen, Neugierige, eingefleischte Hippies und ganz Normale :), so wie wir, machen aus dem vertraeumten Nest einen summenden Bienenstock. Im ganzen Dorf riecht es dann nach Friedenspflaenzchen und alles ist ganz unkompliziert und laid back, oder wie der Australier zu sagen pflegt, No Worries.
Zwei Tage zu frueh erreichten wir Nimbin, hatten also genug Zeit einen Campingplatz zu finden und einen Preis auszuhandeln. Doch das war schnell erledigt. Der Besitzer des Campingplatzes und wir waren uns schnell einig: Unterkunft umsonst, dafuer Klorollenwechseldienst waehrend der drei Tage Festival. Ein fairer Deal. Nein, eher ein grosszuegiger Deal mit dem Vorteil auf unserer Seite. So laeuft das eben in Nimbin, dort, wo einige Ueberbleibsel der 68er Bewegung den Geist aufrecht zu erhalten versuchen.
Marie und ich mussten aber zurueck nach Sydney, um unseren Flug nach Alice Springs nicht zu verpassen. Wir suchten nach einer Mitfahrgelegenheit und entschieden uns fuer den alternativen Weg und haegten ueberall Zettel aus. Siehe da, nach einem Tag schon bot uns ein Kanadier zwei Plaetze in seinem Van an und schon einen Tag spaeter waren wir zurueck in der pulsierenden Metropole Sydney, umgeben von gehetzten Geschaeftsmaennern und -frauen. Unterschlupf fanden wir bei Josyph, Cedars Freund und seinen Mitbewohnern. Es folgten zwei wunderschoene Tage mit Marie in Sydney, dann brachen Cedar und Marie auf und ich folgte im gleichen Flug einen Tag spaeter. Ich verliess mich auf deren Zeitberechnung, begab mich ohne Eile in Richtung Flughafen. Dort wurde mir am Check-in freundlich klargemacht, dass ich zu spaet sei und auf den Flug am Folgetag ausweichen muesste. Ich konnte es nicht fasssen, zumal wir fuer den naechsten Tag schon einen Van gemietet hatten. Am naechsten Schalter, wo ich mir den naechsten Flug sichern wollte, taetigte die nette Dame kurz einen Anruf und befahl mir dann zu rennen. In Windeseile passierte ich mit Sack und Pack den Security Check, gab mein Rucksack auf eine Rutsche, die diesen in den Flugzeugrumpf befoerderte und fand mich keuchend auf meinem Sitz wieder. Das war noch einmal gut gegangen, gerade noch einmal Glueck gehabt.